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Beitragsbild für den Artikel "Meine Faulheit hat was zu sagen"

Faulheit ist die verpönteste Eigenschaft in unserer Leistungsgesellschaft. Deshalb gilt es, die Faulheit – so schnell sie auch gekommen ist – zu vertreiben, mit diversen Methoden, Affirmationen und positivem Denken, um mit aller Kraft das letzte Fünkchen Willenskraft zu aktivieren. Denn wir fühlen uns dazu gedrängt: „Wenn ich faul bin, muss ich mich eben noch mehr anstrengen“.

Lass uns gemeinsam etwas anderes machen. Mit diesem Artikel halten du und ich jetzt gemeinsam inne und schauen uns unsere Faulheit genauer an. Was willst du uns sagen Faulheit? Warum bist du hier?

Die Faulheit

Was ist Faulheit? Ich will es eingrenzen und ganz genau definieren: Faulheit ist die Neigung/das Interesse/der Wille, jegliche Aktivität zu vermeiden. Anstrengung wird verweigert.

Im heutigen Sprachgebrauch gibt es viele Synonyme für Faulheit: keine Lust haben, sich gehen lassen, rumhängen, einen Lenz machen und viele, viele mehr.

Etwas zu vermeiden oder zu verweigern kommt aus dem Willen und ist auch eine freigesetzte Energie. Es muss also Energie freigesetzt werden, um zu verweigern und zu vermeiden. Das ist eine gute Erkenntnis.

Interessanter Nebenaspekt: Lenzen kommt vom holländischen Wort „Lens“ und bedeutet: leer. Faul-Lenzen heißt also übersetzt: die faule Leere. Das Nada, das Nichts. Uhh, das ist schon unheimlich poetisch, oder?

Zurück zu der Erkenntnis: Wenn ich eine innere Energie benutze, um eine Anstrengung zu verweigern, dann sollte es möglich sein diese Energie mit ein bisschen Magie und Einhornglitzer in etwas Produktivem zu verwandeln, oder?

Nun, schauen wir uns das Ganze noch einmal genauer (und tiefer) an:

Der Ursprung

Adler sah den Ursprung der Faulheit in der Ziellosigkeit und damit eigentlich im Minderwertigkeitsgefühl. Faulheit ist für ihn ein passiv gewählter Vermeidungsmechanismus. Dieser Vermeidungsmechanismus (Faulheit) schaltet sich ein, wenn angesichts einer Herausforderung die inneren Konflikte und das Gefühl der Unfähigkeit ausbrechen.

Nach Adler können Menschen also faul werden, wenn sie entmutigt sind. Dies kann sich in dem Gefühl äußern, dass jede Anstrengung ohnehin sinnlos ist.

Er sah Faulheit nicht als isoliertes Verhalten, sondern als Teil eines Ganzen, der Lebenslinie des Menschen, die mit individuellen Lebenszielen, sozialer Integration und dem Streben nach individuell definiertem Erfolg verbunden ist.

Adlers Lösung: Förderung des Gemeinschaftsgefühls und Entwicklung einer positiven Lebensphilosophie. Dadurch wird der ehemals faule Mensch ermutigt, Verantwortung zu übernehmen, sich individuelle Ziele zu setzen und einen Sinn im Leben zu finden. Motivation und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sind entscheidend, um die Faulheit zu überwinden.

wenn die Faulheit aus dem Nähkästchen plaudert…

Was will mir die Faulheit sagen? Warum hat sie es sich auf meinem Sofa gemütlich gemacht? Ich frag sie jetzt einfach 😌. Denn mein Fräulein Faulenzia bingewatcht schon seit gefühlten Ewigkeiten.

Ich: Puh, war das anstrengend überhaupt herzukommen. Jetzt bin ich hier. Also frage ich dich direkt: ‚Warum bist du hier Faulheit?‘

Faulheit: Ruhig. Kein Stress. Ich mach hier die ganze Arbeit, Schätzchen, damit du nichts machen musst.

Ich: Und warum willst du nicht, dass ich was mache und mich vor jeder Tätigkeit drücke?

Faulheit: Ist doch klar, damit du dir keine Kritik anhören musst. Nicht das ständige: Warum ist das nicht so und so perfekt? Und warum hast du nicht auch das und das gemacht? Hättest du dich doch mehr angestrengt… Das kann ewig so weitergehen

Ich: Ich habe dich hierher gezwungen und dann bin ich auch noch so unhöflich. Oh mann, ich versage auf ganzer Linie. Was ist nur los mit mir?

Faulheit: Ich bin auch hier, damit du dich nicht in Frage stellst… Das war’s dann wohl, ich packe bald meine Sachen, aber vorher noch eine Folge Sherlock Holmes 😏

Ich: Wie jetzt?

Faulheit: Ich bin eine Einzelgängerin, Schätzchen. Ich helfe dir, auf deiner Insel Monotonia zu bleiben, um dich zu beschützen. Jetzt, wo du von mir Wind bekommen hast, wird es nicht mehr lange dauern und Lebensfreude und Selbstverwirklichung werden mich hier rauskicken. Die denken auch, sie wären die Schöpfung selbst. Ich kann sie wirklich nicht ausstehen.

🙂

Happy End?

Ich habe ein Faible für Happy Ends, das muss ich zugeben. Ich weiß auch, dass es nicht immer so einfach ist, wie ich es hier dargestellt habe. Denn es könnte auch anders ausgehen: Ich befreunde mich auf Lebenszeit mit der Faulheit, bis mich eine Krise oder das Leben zum Handeln zwingt. Im besten Fall bleibt die Krise aus und mit der Faulheit ist ein langweiliges, tristes und eintöniges Leben gelebt.

Das Problem mit der Faulheit ist, dass sie den Sinn des Lebens blockiert. Das bedeutet eigentlich, dass Faulheit auf Dauer kein guter Zeitgenosse ist. Ab und zu, wenn sie auf deiner Couch landet, schau genau hin und frage dich:

  • Welche Kritik hat mich so verletzt?
  • Warum möchte ich keine Kritik hören?
  • Ich will mich nicht in Frage stellen, wovor habe ich Angst?
  • Was und wer bin ich, wenn ich zu handeln beginne?

Jetzt will ich es wissen: Wann kommt die Faulheit am liebsten zu dir auf die Couch? Und wie schaffst du es, sie „höflich“ zur Tür zu geleiten :)? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

  • Ich finde Faulheit ist wirklich ein sehr schwieriges Thema, was jeden betrifft.

    Der Artikel, vor allem der Dialog mit der Faulheit hilft aber zu verstehen wofür sie da ist. Und vor allem wie die Faulheit im Weg stehen kann, sich selbst zu verwirklichen.
    Darüber werde ich auf jeden Fall nachdenken!

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