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Damit wir als Menschen ein glückliches und erfülltes Leben haben, sollten wir nach Adler alle Lebensaufgaben zufriedenstellend mit einem mutigen Lebensstil bewältigen. Damit sind gemeint die Liebe – also die Partnerschaft und Familie -, der Beruf – also die Leistungs- und Arbeitssituation-, die Integration in die Gemeinschaft und zusätzlich dazugekommen im 21. Jahrhundert die Freizeit – auch das „für-sich-sein“ (aka me-time). Dadurch generiert sich dann für uns die Stimmung: Glücklich sein oder eben Unzufrieden sein.

Es kommt nicht drauf an, was einer mitbringt, sondern darauf, was er daraus macht.

Alfred Adler

Die psychiatrische Kriterien zur psychischen Gesundheit

Die Indikatoren der Psychiatrie für psychische Gesundheit stimmen mit Alfred Adlers Kriterien der psychischen Gesundheit überein. Die psychiatrischen Indikatoren für psychische Gesundheit sind:

  • Das Gefühl der sozialen Zugehörigkeit ist vorhanden. Eine Verankerung innerhalb der Familie oder einer sozialen Gruppe oder in der Gesellschaft ist festzustellen.
  • Eine soziale Identität und eine berufliche Bedeutung wird erlebt.
  • Es ist bewusst, dass man selbst Teil eines sinngebenden Gesellschaftsgefüges ist.
  • Es besteht die Sicherheit, das eigene Leben kontrollieren zu können.
  • Das Gefühl normalen Belastungen gewachsen zu sein ist vorhanden.

Wie viele Lebensaufgaben gibt es?

Alfred Adler hat zu seiner Zeit die 3 Lebensaufgaben Liebe Arbeit und Gemeinschaft festgelegt. Warum es nicht mehr waren kann historisch begründet werden. Dazu werde ich zu Zeiten einen Beitrag schreiben.

Rudolf Dreikurs hat ebenfalls zwei Lebensaufgaben-Bereiche ergänzt (Spiritualität und die Beziehung zu sich selbst). Diese haben sich irgendwie nicht in der Welt der Individualpsychologen etabliert.

In diesem frühen Jahrhundert steht jetzt die Freizeit als Lebensaufgabe im Diskurs. Es gibt für mich sehr einleuchtende Argumente für die Freizeit als zu bewältigende Lebensaufgabe, daher ist sie auch in diesem Blog als eigene Kategorie anzufinden.

Die einzelnen Lebensaufgaben erklärt

Die Begrifflichkeit der einzelnen Lebensaufgaben ändert sich von Literatur zu Literatur. Ebenfalls hat jeder Individualpsychologe seine eigenen Präferenzen. Meine Präferenz führe ich im Detail nun an:

Lebensaufgabe Liebe

Bei der Lebensaufgabe Liebe heißt es die Beziehung zu meinem Partner/Partnerin, meinen Kindern, meiner Herkunftsfamilie im Sinne des Gemeinschaftsgefühls zu gestalten. Also wie ist mein Umgang mit Ehe, Familie, Partnerschaft, Liebe und Sexualität?

Diese Lebensaufgabe hat eine besondere Ebene, die der Gleichwertigkeit. Man soll hier seinem Gegenüber mit Gleichwertigkeit und Wertschätzung gegenübertreten. Seinen Partner oder sein Kind anzunehmen und wertzuschätzen. Diese Beziehungsgestaltung ist beidseitig. In keiner andere Lebensaufgabe ist das Prinzip der Gleichwertigkeit so gefordert, wie in dieser.

Lebensaufgabe Beruf

Bei der Lebensaufgabe Beruf geht es die Beziehung zu meiner Arbeit und zu meinen eigenen Leistungen anzuschauen. Ebenso die Beziehung zu Arbeitskollegen oder Mitstreitern in Bezug auf meine Leistung oder Arbeit ist hier von Bedeutung. Die Leitfrage wäre: Handle ich im Sinne des Gemeinschaftsgefühls auch wenn ich in Konkurrenz zu meinen Kollegen stehe?

Lebensaufgabe Gemeinschaft

Bei der Lebensaufgabe Gemeinschaft geht es um das Gefühl der Zugehörigkeit und seinen Platz in der menschlichen Gemeinschaft zu finden bzw. auch die Haltung zu anderen Menschen. Dabei schaut man wie die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Gruppe oder wie man soziale Beziehungen gestaltet. Ebenso – finde ich – gehört zur Gemeinschaftsaufgabe, wie wir mit der Natur und den Tieren umgehen.

Lebensaufgabe Freizeit

Bei der Lebensaufgabe Freizeit geht es um die Gestaltung der eigenen freien Zeit. Kurz könnte man sagen, dass es hier um die Beziehung zu mir selbst geht.

Kurz zusammengefasst: Beim Bewältigen der Lebensaufgaben geht es darum wie ich in Beziehung zu anderen und zu mir selbst stehe. Und ob ich im Sinne des Gemeinschaftsgefühls handle, also ob mein Handeln nützlich für mich und für meine Mitmenschen/ Umwelt ist.

Wie gehe ich die Lebensaufgaben an?

Also wir Menschen ändern nur die Gewichtung der jeweiligen Lebensaufgaben je nach Phase. In einem Lebensabschnitt empfinden wir unsere Arbeit wichtiger und im nächsten wird die Liebe priorisiert. Und ständig streben wir danach die Balance zwischen all den Aufgaben zu finden.

Ja, manchmal empfinden wir die Lösung zweier Lebensaufgaben zur gleichen Zeit unmöglich, da sie sich gegenüberstehend scheinen.Zum Beispiel Partnerschaft und Beruf. Gemeinschaft und Beruf. Liebe und Freizeit.

Und das liebe Leserin und lieber Leser ist die Formel wie Konflikte entstehen :). Diese Konflikte sind je nach Größe oder eher Mangel an Gemeinschaftsgefühl stärker oder schwächer. Und nach diesem Maß gestaltet sich auch die Konfliktlösung schwerer oder leichter.

Also wie ist der Plan? Wie strukturieren wir uns am besten, damit die Lebensaufgaben mit einem mutigen Lebensstil erfüllt werden können? Nacheinander können die Lebensaufgaben nicht erfüllt werden. Sie sind zu jedem Zeitpunkt in unserem Leben präsent und wichtig.

Nehmen wir die Liebe: Sie ist als Kind für uns in der Familie zu lösen. In der Jugend zum Beispiel in der Liebe und Sexualität. Als Erwachsene in einer Ehe oder Partnerschaft. Da wir Menschen stets in Beziehung zu unseren Mitmenschen stehen, ist die Lebensaufgabe allgegenwärtig zu lösen.

Welche Lebensaufgaben beschäftigt dich? Welche Fragen hättest du gerne beantwortet? In welcher Beziehung tust du dir schwer? Oder hast du Tipps, wie du die Lebensaufgaben löst?

Schreibe es in die Kommentare. Lass uns daran teilhaben. Ein offenes Miteinander kann schon viel bewirken. Ich freue mich von dir zu hören.

  • Hallo,
    die Theorie der Lebensaufgaben ist mir neu und mir scheint, ich verstehe einen Konflikt aus dem letzten Jahr aus dieser Perspektiev etwas besser.
    Alle meine Lebensaufgaben waren zum gleichen Zeitpunkt mäßig stabil.
    Der Beruf wurde zunehmend überfordernd, mein Selbstvertrauen diesbezüglich stark reduziert und ich fühlte mich unfähig, mir etwas neues zu suchen. So habe ich innerhalb des Jobs kleine Stellschrauben verändert um mir den Alltag zu erleichtern, wissend, dass das nur eine vorübergehende Lösung sein konnte.
    Den Alltag erleichtern wollte ich, um mich der Lebensaufgabe Gemeinschaft (Freundschaften) zu widmen, die durch die Intensität meines Berufs unter meinem Zeitmangel und meiner Überlastung (sozialer Rückzug) gelitten hatten und um so wichtiger für mich waren, weil ich mich an der Lebensaufgabe Liebe gescheitert fühlte. Meine Beziehung ging unschön in die Brüche und nach einer OP war ich nicht mehr zeugungsfähig. Ich wusste nicht, wie ich meinen Familienwunsch loslassen und ggf. modifizieren konnte (die Idee Pflegekind entstand) Gleichzeitig fühlte ich mich zu energie – und orientierungslos, um eine neue Liebesbeziehung einzugehen. Bezüglich der Aufgabe Freizeit war ich gerade umgezogen, weil ich mich in der Großstadt nicht mehr von meiner Erschöpfung erholen konnte und mich dadurch in allen Lebensbereichen eingeschränkt fühlte. Ich hatte damit Ruhe gefunden, aber auch ein sicheres und vertrautes soziales Umfeld aufgegeben. Insgesamt war ich überlastet und hatte eine großes Ruhe- und Klärungsbedürfnis. Die Balance war für mich in Ungleichgewicht geraten. Der Familien – und Gemeinschaftswunsch waren immer hoch gewesen, meine Freizeit kann ich mir stets gut gestalten, aber der Beruf war unbemerkt zum Zentrum geworden und verbrauchte fast all meine Ressourcen – auch im Sinne einer Alltagsflucht, weil mir nach der OP eine Art Sinnhaftigkeit verlorengegangen war oder von mir neu erfunden werden musste.
    In dieser Situation habe ich 2 Freundschaften verloren (oder aufgegeben?) Die erste, weil ich nicht mehr in der Lage war mit den depressiven Ansprüchen, Zynismus und Negativität umzugehen und mich daher stärker zu den Freundschaften ausrichtete, die mir gut taten und keine Energie abzogen. Die zweite, weil ich in eine Drama verstrickt und davon getriggert wurde, so dass ich die Nähe mitbestimmen wollte – die gewünschte WG konnte ich mir darum nicht vorstellen und habe mit meinem (erklärten) Nein unverzeihlich gekränkt. Beide befanden sich in einer Not, das war mir bewusst.
    Mein Lebensstil entspricht dem passiv-gestalterischen. „Ich muss liebenswürdig sein“ – ich habe oft schon darunter gelitten, weil ich meine eigenen Bedürfnisse immer wieder unterordnete. In diesen Fällen tat ich das nicht. Unmöglich zu erklären, wie immens viel Kraft es mich gekostet hat „gegen meine Natur“ zu handeln und zu meinen Entscheidungen zu stehen! Die Freundschaften gänzlich aufzugeben war in beiden Fällen nicht mein Anliegen gewesen und der Vorwurf, „im Stich zu lassen“ hat mich schwer getroffen und sich schwer in mein Selbstbild als zuverlässige, treue, verständnis – und aufopferungsvolle Person integrieren lassen. Diese persönliche Infragestellung war der letzte Tropfen, ich wurde krank und entgültig ausgebrannt.
    Scham und Versagensgefühle quälten mich, quälen mich noch immer, wenn mittlerweile auch milder.
    Die Perspektive der Lebensaufgaben hilft mir ein wenig dabei, aus Metaperspektive auf meine vergangenen 3 Jahre zu schauen und anzuerkennen, dass ich ihnen zumindest, trotz passiven Lebensstils, immerhin nicht davongelaufen bin. Das tröstet mich und dafür danke ich. Auch zu sehen, dass der Passivität, die mir schon bewusst war, noch ein Gestaltungswille innewohnt. Die Passivität, die mich enttäuscht fühlen lässt würde ich gerne verändern, aber es fällt mir sehr schwer mich selbst neu zu erfinden, weil ich dieses Selbstbild seit mehr als 30 Jahren mit mir herumtrage und nicht weiß, wer ich jenseits davon sein soll. Es ist mir quasi zum Lebenssinn geworden „ein guter Mensch“ sein zu wollen, so naiv das klingen mag.
    Lese ich von den verschiedenen Stilen scheint mir jeder davon Anteile zu entbehren und so frage ich mich, wohin sich eine Veränderung denn entwickeln will? Zu Anteilen jeden Stils? Zur Auflösung jeden Stils?

    • Hallo Denise,

      ich danke dir für deine Offenheit, sie hat mich sehr berührt. Ich habe über deine Worte nachgedacht und mir Zeit genommen deine Nachricht zu beantworten.
      Du hast eine schwere Zeit durchlebt und viel Mut aufgebracht. Dass du deine Geschichte hier teilst, ist sehr bewegend.

      Bei der Lebensaufgabe Beruf hast du das Problem der Überforderung erkannt und eine Lösung gefunden. Ist diese Lösung für dich zufriedenstellend und nachhaltig?

      Deine zweite Krise hast du erlebt, als deine Beziehung in die Brüche ging und du dich in der Lebensaufgabe Liebe gescheitert siehst. Deine Zeugungsunfähigkeit ist ein Thema wo es eine tiefere Auseinandersetzung bedarf. Ich verstehe deine Orientierungslosigkeit und den Schmerz der mit dem Loslassen des Wunsches einer biologischen Familie einhergeht. Welche Bedeutung gibst du es biologische Kinder zu haben?

      Du sprichst im Lebensbereich Freizeit, eine Ressource aus, die dir gut tun wird: Me-Time. Wo du zur inneren Ruhe zurückfindest. Der Lebensbereich Freizeit spricht die zwischenmenschliche Beziehung zu dir selber an. Also die Beziehung, die du mit dir selbst hast. Was könntest du für dich, mit dir tun, damit du in Ruhe kommst? Welche Strategien könntest du dafür entwickeln?

      Die “Alltagsflucht” von der du sprichst, ist verständlich. Deine Realität, so wie du sie kennst, ist auseinander gefallen. Das ist traurig und berührt mich sehr. Der Realitätsbruch ist mir bekannt. Man flieht vor dem Unbekannten, weil man das Unbekannte generell fürchtet. Da erfordert es Mut, diese Furcht zu Überwinden. Laut Adler, ist hier das Gemeinschaftsgefühl der Schlüssel zum Erlangen von Mut.

      Du sprichst deine beendeten Freundschaften an, und ich entnehme daraus, dass du sehr wohl mutig reagiert hast und für dich eine Grenze gezogen hast. Zu wissen, was einem im Moment gut tut und wo das “liebenswürdig sein wollen” einem selbst schadet, ist eine Ressource, die in dir steckt. Darauf darfst du stolz sein. Man darf traurig und emphatisch gegenüber seinen Mitmenschen sein UND seine persönlichen Grenzen wahren. Bei dir war es eine Notbremse, die genau zur richtigen Zeit kam. Nehme dir diese Erfahrung als Ressource mit. Veränderungen kosten Kraft und das darf sein.

      Scham und Versagensängste sind wichtige Gefühle, die dir hier aufzeigen, dass du vom Bekannten abweichst. Du hast die Erfahrung gemacht, dass das dir Bekannte, dir auf Dauer nicht gut tut. Klar du hast bis jetzt so gut ÜBERlebt, aber nicht GElebt. Diese Erfahrung gehört zum Leben. Die Schlüsselaufgabe hier ist es für dich zu differenzieren. Du kannst eine liebenswürdige Person sein, so wie du bedingungslos liebst, darfst du auch bedingungslos geliebt werden. Frage dich: Liebe ich mich selbst bedingungslos, so wie ich bin?

      Der Mensch ist ein schöpferisches Wesen. Da hast du sehr viele Anteile, in dir erkannt. Da wo du deine zerstörerische Kraft erkennst, kannst du eine Entwicklung anstreben. Jede Kraft kann ins schöpferische umgewandelt werden, mit dem Gemeinschaftsgefühl.

      Dich selbst neu zu erfinden ist eine spannende Bewertung. Du bist gut so, wie du bist. Das was dich stört, ist dass du mit deinen jetzigen Lösungen deiner Lebensaufgaben nicht ganz zufrieden bist. Ein guter Mensch sein zu wollen ist weder naiv noch ein falsches Ziel. Es ist der Sinn des Lebens, ein nützlicher Mitmensch zu sein. Vielleicht fängt bei dir die Reise jetzt richtig an? Vielleicht fängst du mit der Beziehung zu dir selbst an?

      Nun zu deinen Fragen: Es geht nicht darum Lebensstile aufzulösen, sondern sie zu erkennen. Diese aufgezählten Lebensstile sind so in ihrer reinen Form selten aufzutreffen. Es ist sogar öfter so, dass in jedem Lebensaufgabenbereich ein anderer Lebensstil vorhanden sein kann. Generell wird in einer Krise vom Therapeuten der Lebensstil bestimmt. Zur Frage wohin sich eine Veränderung entwickeln will: Zum Gemeinschaftsgefühl. Je stärker das Gemeinschaftsgefühl, desto gesünder also glücklicher ist der Mensch.

      Hier kann dir eine Psychotherapie helfen, deine Lebensbereiche und dich selbst zu durchleuchten.
      
ich danke dir, und wünsche dir alles Gute 🙂

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